Gamescom 2026 – Zwischen Spieltrieb und Reizüberflutung
2024 war ich zum ersten Mal auf der Gamescom, 2025 ging es wieder nach Köln und 2026 war klar: Ich mache das schon wieder. Warum eigentlich? Gute Frage. Die Gamescom ist eine ziemlich eigenartige Veranstaltung. Man steht zwischen Tausenden Menschen, überall blinkt und dröhnt irgendetwas, an jeder Ecke läuft ein Trailer und irgendwo wartet garantiert eine Schlange. Und trotzdem hat das Ganze seinen Reiz.
Wieder mittendrin
Am 30. August ging es also wieder Richtung Köln. Diesmal mit etwas mehr Erfahrung als bei meinem ersten Besuch. Um 8:30 Uhr war ich bereits am Parkhaus P22. An der Autobahnausfahrt gab es einen kleinen Stau, der sich aber schnell auflöste, und auch die Einfahrt ins Parkhaus ging erstaunlich flott. Mit dem Zoe konnte ich dort zwar laden, allerdings nur bis etwa 50 Prozent. An der Ladesäule stand etwas von Lastenausgleich beziehungsweise Kalibrierung, deshalb musste ich für die Rückfahrt unterwegs noch einmal nachladen. Nicht ideal, aber zumindest war eine Lademöglichkeit direkt am Messeparkplatz vorhanden.
Rekord bei den Ausstellern
Die Gamescom war auch 2026 wieder riesig. So viele Aussteller wie in diesem Jahr gab es offenbar noch nie. Gegen Mittag wurde es natürlich richtig voll, aber insgesamt kam mir das Besucheraufkommen ziemlich ähnlich wie 2025 vor. Was mir beim Schlendern durch die Hallen besonders auffiel, war die deutlich stärkere Präsenz chinesischer Entwickler und Publisher. Rund 60 Unternehmen aus China waren diesmal vertreten. Auch HoYoverse scheint weiter zu wachsen und nimmt entsprechend viel Platz ein. Dass GRYPHLINE mit „Arknights: Endfield“ den Preis für den „Best Booth“ bekommen hat, passt da ziemlich gut ins Bild. Gleichzeitig war die Abwesenheit von Sony PlayStation schon auffällig. Bei einer Gamescom dieser Größe hätte ich einen großen PlayStation-Auftritt eigentlich erwartet.
Und wo sind die Spiele?
Natürlich habe ich mich vor allem nach den Spielen umgesehen, die mich selbst interessieren. Am PC lande ich immer wieder bei Aufbau- und Strategiespielen. Satisfactory ist dafür wahrscheinlich das beste Beispiel. Ich mag es einfach, wenn aus ein paar Förderbändern irgendwann eine völlig übertriebene Produktionsanlage entsteht und man sich einredet, dass das alles natürlich absolut effizient geplant wurde. Auf der PS5 sieht es dagegen etwas anders aus. Dort darf es gerne schneller werden, deshalb gehören Rennspiele für mich definitiv dazu. Und dann wäre da natürlich noch GTA 6. GTA 5 habe ich damals auf der PS4 ziemlich ausgiebig gespielt, entsprechend neugierig bin ich auf den Nachfolger. Nur: Von Satisfactory habe ich auf der Gamescom nichts gesehen und GTA 6 war ebenfalls nicht auf der Messe. Ausgerechnet zwei Dinge, die mich persönlich besonders interessiert hätten, waren also nicht dabei. Den neuen GTA-6-Trailer hatte ich mir stattdessen bereits am Donnerstag auf Netflix angesehen. Schade, aber eine Gamescom besteht zum Glück aus mehr als den Spielen, wegen denen man eigentlich hinfährt.
Merchandise ohne Ende
Wer auf Merchandise steht, kommt auf der Gamescom ohnehin auf seine Kosten. Davon gab es wieder reichlich. Gerade in den beiden Etagen von Halle 5 konnte man sich durch jede Menge T-Shirts, Figuren, Plüschtiere und anderen Gaming-Kram wühlen. Allerdings hatte ich dabei ein bisschen das Gefühl, vieles schon einmal gesehen zu haben. Viel Merchandise, aber wenig wirklich Neues.


Für Fans bestimmter Spiele oder Marken ist das natürlich trotzdem eine gute Gelegenheit, sich einzudecken.
Gaming oder Werbemesse?
Was mir ebenfalls aufgefallen ist: Die Gamescom wird immer mehr zur großen Werbefläche. Natürlich gehört Werbung zu einer Messe dazu, aber manchmal fragt man sich schon, wie weit der Begriff „Gaming-Messe“ inzwischen ausgelegt wird. REWE, Subway und andere Marken sind mit teilweise ziemlich großen Auftritten dabei. Bei Subway gab es immerhin etwas zu essen – damit ist der Zusammenhang mit Gaming vermutlich schon hergestellt. Beim Essen merkt man allerdings auch, dass die Auswahl eher in Richtung klassisches Messeessen geht. Burger, Pommes und Co. dominieren. Nach mehreren Stunden zwischen den Hallen hätte ich durchaus nichts gegen ein paar Alternativen gehabt.
Alte Spiele, neue Begeisterung
Einer meiner persönlichen Höhepunkte waren deshalb ausgerechnet die Retro-Stände. Atari, Commodore und andere bekannte Namen aus der Geschichte des Computerspiels waren vertreten.


Während an anderer Stelle die neuesten Spiele mit riesigen Bildschirmen, Spezialeffekten und aufwendigen Shows um Aufmerksamkeit kämpfen, reicht bei einem alten Commodore manchmal schon der Anblick der Hardware, um sofort Erinnerungen auszulösen. Vielleicht ist genau diese Mischung eine der Stärken der Gamescom: Hier stehen die neuesten Gaming-Trends direkt neben der Geschichte, mit der das alles einmal angefangen hat.
Und die Security?
Ein Punkt ist mir diesmal ebenfalls aufgefallen: die Sicherheitskontrollen. Oder besser gesagt: deren weitgehendes Fehlen. Bei meinem Besuch wurde jedenfalls kaum kontrolliert. Das fand ich angesichts der Menschenmassen durchaus bemerkenswert. Gerade wenn man mitbekommt, dass rund um die Gamescom auch über Sicherheitsprobleme und Diebstähle berichtet wird, wirkt das zumindest etwas ungewöhnlich.
Drei Jahre Gamescom
2024 war alles neu, 2025 wusste ich zumindest ungefähr, worauf ich mich einlasse und 2026 war es schon fast ein vertrautes Ritual. Man weiß inzwischen, dass man nicht alles sehen kann, dass die Füße irgendwann anfangen zu protestieren und dass eine „kurze Runde durch Halle X“ grundsätzlich länger dauert als geplant. Aber man geht trotzdem hin. Weil Spiele zuhause am PC oder auf der PS5 natürlich Spaß machen, aber einmal im Jahr mitten in dieser völlig überdrehten Gaming-Welt zu stehen, ist eben etwas anderes.
Mein Fazit
Die Gamescom 2026 war für mich wieder eine interessante Mischung aus Spielen, Technik, Retro, Menschen und ziemlich viel Reizüberflutung. Die Rekordzahl an Ausstellern zeigt, dass die Messe weiterhin wächst. Gleichzeitig wird aber auch immer deutlicher, dass die Gamescom nicht mehr nur aus Spielen besteht: Mehr Aussteller, mehr Werbung, mehr Marken und eine deutlich sichtbarere internationale – insbesondere chinesische – Beteiligung. Meine persönlichen Highlights waren deshalb nicht unbedingt die größten Stände. Die Retro-Aussteller wie Atari und Commodore fand ich spannend, die Atmosphäre insgesamt sowieso. Enttäuschend waren dagegen die fehlende Präsenz von GTA 6 und Satisfactory sowie das Gefühl, dass manche Bereiche inzwischen mehr nach Marketingveranstaltung als nach Spielemesse aussehen.
Alles gesehen habe ich natürlich nicht. Alles gespielt, was mich interessiert hätte, natürlich auch nicht. Aber das ist vielleicht auch gar nicht der Sinn der Gamescom. Man muss nicht jeden Stand abhaken. Für mich geht es inzwischen eher darum, mich treiben zu lassen, interessante Dinge zu entdecken und ein paar Stunden aus dem normalen Alltag auszubrechen. Und irgendwann sitzt man wieder im Auto, die Füße tun weh, der Kopf ist voll mit Eindrücken und man denkt sich: War interessant. Hat sich wieder gelohnt.
Bis nächstes Jahr.
Gamescom 2027 findet vom 23. bis 29. August statt. Mal sehen, ob ich dann zum vierten Mal nach Köln fahre.