Pri*%!$ - was? Gesundheit!

Pri*%!$ – was? Gesundheit!

Genau, woher kommt eigentlich dieser seltsame Name. Damit beschäftige ich mich im Folgenden…

UPDATE 3: Die heiße Spur nach Polen – Von Großpolen nach Anhalt

Die Recherchen in den polnischen Archiv-Datenbanken (Geneteka) brachten den nächsten Durchbruch: Der Ursprung der Familie Brykarczyk lässt sich lokal eindeutig eingrenzen!

Alle historischen Funde zum Namen konzentrieren sich auf die Woiwodschaft Wielkopolskie (Großpolen), konkret auf den Landkreis Szamotuły (westlich von Posen) mit Pfarreien wie Bytyń, Kaźmierz und Wilczyna.

Der historische Zusammenhang (Die „Ostflucht“)

Das passt perfekt zum Geburtsort unseres Johann Brykarzyk (1894 in Rohndorf/Cöthen): Ab den 1880er Jahren wanderten Zehntausende Landarbeiter aus der verarmten preußischen Provinz Posen in die aufstrebenden Agrar- und Industriegebiete Mitteldeutschlands ab. Die Region Anhalt/Köthen war damals berühmt für den intensiven Zuckerrübenanbau und benötigte dringend Arbeitskräfte.

Genau auf diesem Weg kam Stanislaus Brykarzyk vermutlich in den 1880er oder frühen 1890er Jahren aus dem Raum Posen nach Rohndorf bei Cöthen, wo 1894 sein Sohn Johann zur Welt kam.

Update 2: Deutsche Verlustlisten 1. Weltkrieg, Zweifache Verwundung, militärisches Namenschaos & die nächsten Schritte

Ein weiterer Fund in den historischen Verlustlisten des Ersten Weltkriegs bringt erstaunliche Details ans Licht und wirft gleichzeitig spannende neue Fragen auf. Ich habe auf der frei zugänglichen Forschungsseite CompGen (des.genealogy.net/eingabe-verlustlisten/search) nach dem Namen Brykarzyk und Prikatschik gesucht. Dort wurden Verwundungen, Lazarettaufenthalte oder Dienstunfähigkeiten detailliert veröffentlicht.

In der Verlustliste Nr. 324 vom 10. September 1915 wird Johann bereits ein erstes Mal als „leicht verwundet“ gemeldet – damals allerdings unter dem Namen Prikatschik, Johann (Rohndorf, Cöthen).

Nur sieben Monate später, in der Verlustliste Nr. 518 vom 25. April 1916, taucht er erneut als „leicht verwundet“ auf – diesmal jedoch unter der Schreibweise Brykarzyk, Johann (12. Komp., Reserve-Infanterie-Regiment 232).

Die Erkenntnisse aus den Militärakten

  1. Zweifache Verwundung: Johann wurde im Krieg mindestens zweimal verwundet. Das erklärt lückenlos, warum er später als Militärinvalide nach Celle kam und aus dem Dienst ausschied.
  2. Namenswirrwarr auf allen Ebenen: Selbst die preußische Heeresverwaltung nutzte 1915 und 1916 beide Namen parallel für dieselbe Person (gleicher Geburtsort, selbe Kompanie).

Am 25.04.1916 – Brykarzyk Johann, Rohndorf, Cöthen, Liste: Preußen 513, Reserve-Infanterie-Regiment 232, Status: verwundet, Seite 12183 (oben rechts zu sehen):

Verlustliste 1. Weltkrieg

Und am 10.09.1915 – Prikatschik Johann, Rohndorf, Cöthen, Liste: Preußen 324, Reserve-Infanterie-Regiment 232, verwundet, Seite 8681 (rechts mittig):

Pri*%!$ - was? Gesundheit!

Wie die Spurensuche jetzt weitergeht

Mit den exakten Daten aus den Dokumenten ergeben sich nun ganz konkrete Ansätze, um die Geschichte von Johann Brykarzyk / Prikatschik noch tiefer zu ergründen:

  • Die Regimentsgeschichte des RIR 232: Über die chronologischen Einsatzberichte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 232 lässt sich auf den Tag genau nachvollziehen, an welchen Gefechten und Schlachten die 12. Kompanie im Sommer 1915 und Winter 1915/1916 beteiligt war – und wo Johann genau verwundet wurde.
  • Stadtarchiv Celle: Da Johann in Celle als Militärinvalide geführt wurde, hoffe ich, dort in den historischen Meldekarteien und Lazarettbüchern Details zu seiner Verletzung, Behandlung und seinem genauen Aufenthalt zu finden.
  • Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Dessau): Eine Anfrage zum Geburtsregister des Standesamts Rohndorf (für den 25.03.1894) soll die Geburtsurkunde zu Tage fördern. Diese enthält die genauen Daten und Herkunftsorte seiner Eltern Stanislaus Brykarzyk und Sophie geb. Liesmann – der Schlüssel, um die Linie noch weiter nach Osten zurückzuverfolgen.

Update: Rätsels Lösung – Vom polnischen Ursprung zum Standesamt-Eintrag

Nach erneuter gründlicher Analyse der Kirchenbucheinträge aus der Propstei St. Vitus in Meppen gibt es den entscheidenden Durchbruch in meiner Namensforschung: Die Theorie mit dem russischen „Б“ oder dem baltischen Berufstitel „Prikatschik“ als Namensursprung hat sich als falsche Fährte herausgestellt.

Der Name Prikatschik ist im Fall unserer Familie das Ergebnis einer preußisch-deutschen Behörden-Eindeutschung um die Jahrhundertwende!

Der Schlüssel im Kirchenbuch: Lautmalerei & Standesamt

Im Trauregister findet sich beim Bräutigam die entscheidende Doppel-Notation:

Brijkarzijk (St. A.: Prikatschik) Johann

  • Der eigentliche Name: Brykarzyk / Brijkarzijk (im Kirchenbuch in Kurrentschrift wörtlich ohne „c“ geschrieben). Dies ist die nach Gehör aufgeschriebene Form des ursprünglichen polnisch-slawischen Nachnamens Brykarczyk (mit der typischen Endung -czyk). Das polnische „cz“ wurde vom deutschen Schreiber einfach als deutsches „z“ notiert.
  • Der Standesamt-Vermerk (St. A.): Die Behörden taten sich mit der Schreibweise schwer und trugen die Person beim Standesamt offiziell als Prikatschik ein – eine lautmalerische Anpassung an die im Osten geläufigere Lautfolge.

Die detaillierte Vorfahrenlinie (3 Generationen)

Aus den Dokumenten lässt sich die Vorfahrenlinie nun wie folgt rekonstruieren:

1. Generation (Das Brautpaar)

  • Johann Brykarzyk / Brijkarzijk(standesamtlich geführt als: Prikatschik)
    • Beruf: Schlosser, zum Zeitpunkt der Trauung Militärinvalide in Celle.
    • Geburtsdatum / -ort: 25. März 1894 in Rohndorf (Kreis Cöthen / Anhalt).
  • Elisabeth Laurentia Rohe
    • Beruf: Schneiderin in Meppen.
    • Geburtsdatum / -ort: 31. Mai 1896 in Meppen.

2. Generation (Die Elternpaare)

Väterliche Linie (Brykarzyk / Prikatschik):

  • Stanislaus Brykarzyk (Arbeiter)
  • Sophie Brykarzyk, geb. Liessmann (im Standesamt teilweise als Biermann geführt)

Mütterliche Linie (Rohe):

  • Wilhelm Anton Wilms Rohe
    • Beruf: Hüttenarbeiter / Arbeiter in Meppen.
    • Geburtsdatum / -ort: 1. August 1843 in Klein-Börger (Emsland).
  • Anna Hermine Rohe, geb. Höning
    • Beruf: Tagelöhnerin in Meppen.
    • Geburtsdatum / -ort: 31. März 1861 in Meppen.

3. Generation (Die Großeltern der Braut – Trauung am 15.09.1891 in Meppen)

Großeltern mütterlicherseits (Linie Rohe):

  • Johann Gerhard Rohe (Heuermann)
  • Maria Gesina Rohe, geb. Köhne

Großeltern mütterlicherseits (Linie Hönig):

  • Bernard Höning (Maurer)
  • Maria Margaretha Höning, geb. Pinkernell

Fazit: Aus dem ursprünglichen slawischen Familiennamen Brykarczyk wurde über die gehörten Zwischenstufen Brykarzyk / Brijkarzijk im Kirchenbuch schließlich die heute geführte Amtsschreibweise Prikatschik.

ursprünglicher Beitrag:

Die Recherche beginnt mit der Google-Suche. Schnell stößt man auf diese Seite, bei der es um mennonitische Gutbesitzer und Guts (Chutors) in Russland geht. Dort existiert ein Eintrag für das Gut „Alatsch“, welches sich auf der Krim befand (Google Maps). Das von den Tataren Khutor Cornay genannte Gut, war von 1845 bis 1917 im Besitz von Peter Heinrich Cornies. Johann Fast war der Verwalter (Prikatschik) im Jahr 1903.

Offenbar hatten Deutschstämmige in einigen Gebieten Russlands Ländereien besessen, auf denen dann z.B. Landwirtschaft betrieben wurde. Nachdem der Besitzer des Guts gestorben war, wurde wenige Jahre später der Betrieb eingestellt und die Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Vorstellbar wäre, dass der „Verwalter“ sich also eine neue Tätigkeit suchen musste und möglicherweise ins heutige Ostdeutschland zog, vermutlich waren deutsche Sprachkenntnisse vorhanden. Dies sind jedoch teilweise nur Spekulationen, daher setze ich die Suche an anderer Stelle fort.

Ein weiteres Netz-Fundstück, in dem der Name Prikatschik auftaucht, bezieht sich erneut auf die Verwendung des Namens Prikatschik als Berufsbezeichnung bzw. Bezeichnung der beruflichen Stellung. Die „Reise“ führt dabei nach Riga, Lettland. Die wechselhafte Geschichte Lettlands ist eng verbunden mit russischen, schwedischen, dänischen und deutschen Einflüssen. Im Hochmittelalter (1050-1250) fand die deutsche Ostsiedlung statt, die auch unter weiteren Begriffen zu finden ist. Damit ist die Einwanderung überwiegend deutschsprachiger Siedler in die östlichen Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches gemeint, in denen Slawen und Balten lebten. Klingt erstmal friedlich, tatsächlich handelte es sich aber um Unterwerfungsfeldzüge, Kreuzzüge bzw. Kolonisation, angeführt von der Kirche (Bischöfen etc.) mit Unterstützung durch Ritterorden wie dem Deutschen Orden. Ab 1050 bis etwas 1600 während der sog. Ostsiedlung kam es auch zu Sprachaustausch zwischen den slawischen Sprachen und der deutschen Sprache (Wortentlehnungen usw.). Einer der bekanntesten Missionsbischöfe des 13. Jahrhunderts war Albert von Buxthoeven aus Bremen, der Riga 1201 gründete. Dies ist ursächlich für die bis in die heutige Zeit bestehende Verbindung zum Baltikum und dient dem Verständnis, warum folgendes Schriftstück überhaupt und in deutscher Sprache existiert (blauer Stempel von Universität Tartu, Estland):

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Auf Seite 15 des Berichts ist die Berufsbezeichnung (rot markiert) zu finden:

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In Kirchenregistern (hier: Propstei St. Vitus, Meppen) lässt sich ein Eintrag einer Trauung im Jahre 1915 finden. Die Schreibweise des Namens damals, sah folgendermaßen aus:

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Zur Analyse der Schrift kommen zwei Schriftarten in Frage, die im 20. Jahrhundert in Deutschland verbreitet waren: Die deutsche Kurrentschrift, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gebräuchlich war oder die Sütterlinschrift, die aber erst ab 1928 als Schulausgangsschrift genutzt wurde. Markant sind bei der Schreibweise des Namens der Anfangsbuchstabe und das y mit zwei Punkten (Trema) bzw. ein ij (Ligatur).

Der Anfangsbuchstabe, das große B mit dem Haken, lässt sich auf Anhieb nicht exakt einer Sprache oder Schrift zuordnen. Die Übersetzung des Namens ins Russische erhält man dieses Ergebnis:

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Das kyrillische Alphabet stellt den im Deutschen als „B“ ausgesprochenen Buchstaben als „Б“ dar, übereinstimmend ist hier der Haken, jedoch fehlt der zweite Bogen im Vergleich zur Eintragung im Trauregister (s.o.). Dazu hier die Schreibweisen von B und P im russischen Alphabet:

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Auf den ersten Blick scheint der Eintrag im Trauregister wie der Versuch, das russische „Б“ in der deutschen Schreibweise abzubilden, was letztendlich in einer Mischform endet.

Zurück zum Eintrag im Trauregister der Propstei St. Vitus Meppen von 1915. Hier die Eheleute und deren Eltern:

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Um mehr über den Ehemann zu erfahren, könnte man das Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts besuchen, nicht kostenfrei.

Die Eltern der Braut haben 1891 in Meppen geheiratet, zu finden in den Büchern der Kirche Propstei St. Vitus:

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So weit, so wenig…

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