Symbolbild zur Massenüberwachung: Ein stilisierter digitaler Datenstrom verknüpft Personen-Silhouetten, Überwachungskameras und Netzwerkknoten auf einem dunklen, abstrakten Hintergrund.
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Palantir, Gotham & Foundry: Big Brother bekommt ein System-Update

Ich bin neulich bei Golem über zwei richtig starke Artikel von Manuel Atug gestolpert. Thema: Palantir. Oder besser gesagt: Wie sich eine US-Firma mit feinstem Risikokapital von Peter Thiel schleichend zum inoffiziellen Betriebssystem unserer Polizei- und Sicherheitsbehörden hocharbeitet.

Wer jetzt denkt: „Ach, noch so ein Tool für die Datenanalyse…“, greift gewaltig daneben. Palantir baut keine kleine Software für Excel-Müde, sondern eine digitale Machtzentrale.

Das Duo des Grauens: Gotham & Foundry

Um zu verstehen, warum Datenschützer bei dem Namen Schnappatmung bekommen, muss man kurz die zwei Haupt-Spielzeuge von Palantir kennen:

  • Gotham: Das ist das bevorzugte Werkzeug für Militär, Geheimdienste und Ermittler (wie die US-Einwanderungsbehörde ICE). Gotham nimmt alles auf, was nicht bei drei auf den Bäumen ist: Kamera-Scans von Autokennzeichen, Bewegungsprofile aus Wetter-Apps, biometrische Daten, Polizeiakten, Visa-Daten und gekaufte Infos von Datenbrokern. Gotham wirft das in einen Topf und baut daraus in Echtzeit grafische Beziehungsnetze. Wer kennt wen? Wer war wann an welchem Ort? Batman wäre neidisch…
  • Foundry: Ursprünglich als Daten-Baukasten für Großkonzerne gedacht (damit Firmen wie Airbus oder Großbanken ihre komplexen Lieferketten und Finanzströme kapieren), wird Foundry mittlerweile genauso gerne von Behörden zweckentfremdet. Es dient dazu, massenhaft unstrukturierte Datenströme aus der Verwaltung zusammenzuführen.

Das Zauberwort dahinter heißt Ontologie: Palantir verknüpft nicht einfach Tabellen, sondern übersetzt die echte Welt in digitale „Objekte“ (Person, Auto, Flug, Konto) und stellt Beziehungen her. Die Software sagt den Beamten also nicht nur, was war, sondern schlägt gleich noch vor, wen man als Nächstes filzen sollte. Wie praktisch! Wer braucht schon ein funktionierendes Rechtsstaatsprinzip, wenn der Algorithmus doch so eine schöne Ampel anzeigt?

Einmal Palantir, immer Palantir (Der perfekte Vendor Lock-in)

Was mich an der ganzen Sache fast am meisten fasziniert (oder eher gruselt), ist das Geschäftsmodell:

  1. Abhängigkeit by Design: Wenn eine Behörde einmal ihre komplette Daten-Infrastruktur auf Palantir umgestellt hat, kommt sie da nie wieder raus. Klar, man kann die nackten Rohdaten am Ende wieder exportieren. Aber die mühsam aufgebauten Wissensmodelle, die Verknüpfungen und die eingespielten Prozesse bleiben in der proprietären Palantir-Welt gefangen. Ein Wechsel zu Open-Source-Alternativen? Unbezahlbar. Wäre ja auch blöd, wenn europäische Behörden digitale Souveränität besäßen – wo bliebe denn da der US-Aktionärsnutzen?
  2. Datentrennung? Ein Relikt aus dem letzten Jahrtausend! Bei uns gibt es (eigentlich) streng getrennte Töpfe für unterschiedliche Daten. Palantir reißt diese Mauern per Mausklick ein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn aus gezielten Ermittlungen plötzlich eine flächendeckende, anlasslose Rasterfahndung auf Steroiden wird.

Und Deutschland so? „Nehmen wir!“

Wer glaubt, das sei ein reines US-Problem rund um Trumps Heimatschutzbehörden, schläft tief und fest. In Deutschland läuft die Software unter klangvollen Namen wie HessenData oder VeRA (in NRW und Baden-Württemberg) längst im Einsatz oder steht kurz davor. Das Bundesverfassungsgericht hat dem Ganzen 2023 zwar ein paar verfassungsrechtliche Leitplanken verpasst, aber die Bequemlichkeit siegt in den Innenministerien eben doch meistens über den Datenschutz.

Fazit

Es geht hier nicht darum, der Polizei moderne IT vorzuenthalten. Aber wenn wir die Kontrolle über unsere sensibelsten Daten an ein US-Unternehmen abtreten, dessen Mitgründer öffentlich in Frage stellen, ob Demokratie und Freiheit überhaupt vereinbar sind, dann sollten bei jedem die Alarmglocken schrillen.

Wer sich die volle Dröhnung geben will, liest hier weiter:

Die Golem-Artikel (Deep Dives von Manuel Atug):

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