Garbage In – Garbage Out
GIGO: Warum deine KI nicht schlauer ist als deine Frage
Mal ehrlich: Wir kennen das alle.
Man stellt der KI eine Frage, drückt auf Enter und bekommt eine Antwort, die irgendwie nach Antwort aussieht – aber bei genauerem Hinsehen ungefähr so viel Substanz hat wie ein Glückskeks.
Dann ist schnell das Urteil gefällt:
„Die KI taugt nichts.“
Vielleicht liegt es aber gar nicht an der KI. Vielleicht haben wir ihr einfach eine ziemlich schlechte Ausgangslage gegeben.
Dafür gibt es in der IT einen alten Begriff: GIGO – Garbage In, Garbage Out.
Oder frei übersetzt: Wenn vorne Mist reingeht, kommt hinten nicht automatisch Gold heraus.
Eine KI kann nicht wissen, was ich nicht sage
Das klingt banal, wird beim Arbeiten mit KI aber erstaunlich schnell vergessen. Wenn ich schreibe:
„Schreib mir etwas über IT-Sicherheit.“
dann kann die KI natürlich irgendetwas dazu schreiben. Sie kennt schließlich jede Menge Informationen über das Thema. Aber sie kennt nicht mein Problem.
Sie weiß nicht, ob ich einen Linux-Server absichern, mein WLAN überprüfen, einen Blog betreiben oder einfach nur verstehen möchte, was Phishing eigentlich ist.
Gebe ich ihr dagegen meinen Kontext, wird die Sache plötzlich interessanter. Nicht weil ich einen magischen Super-Prompt gebaut habe, sondern weil ich der KI endlich etwas gebe, womit sie arbeiten kann.
Kontext schlägt Zauberformeln
Im Netz findet man inzwischen unzählige Tipps für den „perfekten Prompt“.
Die zehn besten Formulierungen. Die fünf geheimen Tricks. Rollen-Prompts, Frameworks und irgendwelche angeblich magischen Satzbausteine.
Ich halte davon inzwischen deutlich weniger als früher.
Natürlich kann eine klare Aufgabenstellung helfen. Auch eine Rolle kann sinnvoll sein. Und wenn ich der KI sage, welche Randbedingungen gelten, wird das Ergebnis meistens besser.
Aber der wichtigste Teil ist für mich viel einfacher:
Erklär der KI, was du eigentlich vorhast.
Wenn ich ein technisches Problem habe, bekommt sie Informationen über mein System. Wenn ich einen Text überarbeiten möchte, bekommt sie den Text und eine Vorstellung davon, was mir daran nicht gefällt. Wenn ich eine Entscheidung abwägen möchte, bekommt sie die Rahmenbedingungen und nicht nur die Frage „Was soll ich machen?“.
Das ist kein Prompt-Hokuspokus.
Das ist schlicht Kontext.
Die erste Antwort ist nicht das Ende
Und dann kommt noch etwas dazu, das ich inzwischen ziemlich wichtig finde: Ich muss nicht jede Antwort als fertiges Ergebnis betrachten.
Eine KI kann mir einen Vorschlag machen. Ich kann nachhaken: Warum empfiehlst du das? Welche Nachteile hat dieser Ansatz? Was habe ich übersehen? Gibt es eine andere Lösung?
Gerade bei technischen Problemen finde ich diesen Dialog oft wesentlich interessanter als die erste Antwort.
Die KI wird dadurch vom Antwortautomaten zum Sparringspartner. Und manchmal stellt sie dabei sogar die bessere Frage als ich.
GIGO bedeutet nicht: „Schlechter Prompt = schlechte KI“
Das alte GIGO-Prinzip ist also weiterhin nützlich – aber ich würde es etwas anders verstehen.
Es geht nicht darum, den perfekten Prompt zu formulieren.
Es geht darum, der KI genug Informationen zu geben, damit sie überhaupt verstehen kann, was ich von ihr will.
Je komplexer die Aufgabe, desto wichtiger wird dieser Kontext.
Und trotzdem bleibt eine Sache: Auch ein perfekt formulierter Prompt macht eine KI nicht automatisch zuverlässig.
Sie kann weiterhin etwas erfinden. Sie kann Zusammenhänge falsch verstehen. Und sie kann mir eine komplett falsche Antwort liefern – nur diesmal in besonders schön formulierten Sätzen.
Darum gehört zu einem guten Umgang mit KI nicht nur guter Input, sondern auch kritischer Output.
Fazit: Gute Fragen helfen. Denken bleibt trotzdem Arbeit.
GIGO ist für mich deshalb weniger eine Anleitung zum perfekten Prompt als eine ziemlich einfache Erinnerung:
Wenn ich von der KI brauchbare Antworten möchte, sollte ich ihr auch brauchbare Informationen geben.
Kontext hilft. Klare Fragen helfen. Nachfragen hilft.
Aber am Ende muss ich immer noch selbst beurteilen, ob die Antwort etwas taugt.
Denn die KI kann mir das Denken erleichtern.
Abnehmen sollte sie es mir nicht.